| Quo vadis, OGame? |
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| Geschrieben von: Alex deLarge |
| Montag, den 19. Oktober 2009 um 19:42 Uhr |
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"Stillstand ist Rückschritt" - dieses alte Sprichwort fasst recht gut zusammen, wie OGame in den letzten Jahren durch mangelnde Weiterentwicklungen vom Olymp der Browserspiele stürzte und inzwischen nur noch eines von vielen Weltraumspielen ist. Es gab ein paar nette neue Features und Einheiten, einige Elemente wurden mit der Zeit besser an die Realität angepasst, doch vor wirklich tiefgreifenden Veränderungen schreckte die Gameforge AG bislang immer zurück. Mit dem Redesign scheint dieser Bann nun jedoch gebrochen und die Gameforge auf dem Weg, OGame im schnelllebigen Markt der Browserspiele wieder konkurrenzfähig zu machen. Doch bei dieser Entwicklung wird es nicht nur Sieger geben.
Als OGame 2002 seinen Siegeszug begann, waren einfache Tabellendesigns an der Tagesordnung - hier waren keine professionellen Firmen mit eigenen Grafikabteilungen am Werk, sondern Hobbyprogrammierer ohne kommerzielle Hintergedanken. Doch mit der Beliebtheit der Browsergames stieg auch hier der Druck, schon bald schossen BG-Firmen wie Pilze aus dem Boden und Investoren witterten das große Geld. Mit der zunehmenden Professionalisierung stieg jedoch auch der Anspruch der Spieler, nicht zuletzt im Bereich der Grafiken, was durch die erfolgreichen Firmen durch immer bessere Grafiken sowie den extensiven Einsatz von Technologien wie Java oder Flash bedient wurde. Die Browsergames wandelten sich vom Nischenprodukt für interessierte Zahlenwälzer zu einer mainstreamtauglichen Alternative zu den traditionellen, teuren Computerspielen. Auch die Gameforge (damals noch eine GmbH) sprang natürlich nach ihrer Gründung auf diesen Zug auf, entwickelte neue Spiele im modernem Look und feierte dadurch große Erfolge in aller Welt. Leider blieb OGame dabei jedoch auf der Strecke.
Es ist aber auch durchaus verständlich, dass das Erfolgskonzept von OGame lange unangetastet blieb. "Never touch a running system" - ein weiteres, bekanntes Sprichwort. Jahrelang beherrschte OGame den Markt, feierte immer größere Erfolge, immer mehr Spieler, und das, obwohl das Konzept und auch das Aussehen größtenteils unangetastet blieben. Doch die Wende kam auch hier, und sie fiel ausgerechnet in die Expansionsphase der Gameforge, als von Karlsruhe aus die Welt erobert wurde und niemand mehr Augen für die Vergangenheit hatte. Der Umschwung wurde verschlafen, und als man es bemerkte, war es fast schon zu spät. Zunächst versuchte man eine kostengünstige Methode, OGame wieder an die neue Zeit anzupassen - ein neuer, modernerer Skin wurde in Auftrag gegeben und eingespielt, doch dieser konnte den weiteren Verfall nicht stoppen. Auch weiterhin verließen immer mehr Spieler aus den verschiedenen Gründen die Universen, nur wenig neue wurden durch das immer noch wenig zeitgemäße Spiel noch angelockt. Um die Verluste zu dämpfen, musste die Gameforge AG erstmals nach der Phase des größten Erfolgs wieder beginnen, viele neue Universen in kurzer Zeit zu eröffnen. Doch diesmal nicht um Platz für die Massen der neuen Spieler zu schaffen, sondern um zumindest einen Teil derjenigen zu halten, welche OGame sonst komplett den Rücken zugewendet hätten. Die Rechnung dieser mittelfristigen "Rettung" OGames wird uns heute präsentiert, jeden Monat, wenn die neuen Accountzahlen veröffentlicht werden. Auch der Gameforge AG war klar, dass dieses Vorgehen einen Tod auf Raten bedeutete, und so begann man mit der Entwicklung des 'Großen Neuen', welches den Karren endlich wieder aus dem Dreck ziehen sollte. Nachdem die Einnahmen aus OGame jahrelang dazu genutzt wurden, andere Spiele aufzukaufen und neue Spiele zu programmieren, wurde nun endlich einmal wieder in OGame investiert - und wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, sogar in beträchtlicher Höhe. Liest man die Pressemeldungen der Vergangenheit, sieht man auch, dass hier nicht nur PR-Floskeln gewälzt wurden, in Karlsruhe war man tatsächlich guter Dinge, dass dieses Redesign ein großer Schritt in die richtige Richtung sei. Doch was zunächst folgte, war eine monatelange Odyssee von Fehlplanungen, Konzeptänderungen und Terminverschiebungen. Zeit, in welcher das Sterben der alten Universen unvermindert weiter ging und OGame dem Abgrund immer näher kam. Die Ausgangslage, welche zu Beginn der Entwicklung des Redesigns schon nicht gerade rosig war, wurde noch bedeutend kritischer. Denn durch das Redesign, der erste Schritt zur Wiedergeburt OGames, wurden auch alle weiteren Entwicklungen weiter nach hinten geschoben. Die schwerwiegenden Probleme wurden wieder und wieder vertagt. Da kann es kaum verwundern, dass die User inzwischen eine Version spielen müssen, welche noch nicht ausgereift ist und noch einige Bugs enthält. Auch die Projektleitung in Karlsruhe weiß, dass die Zeit begrenzt ist und die Spieler nicht ewig auf Verbesserungen warten werden. Und nun ist es da, das Redesign, und wird in den nächsten Wochen wohl Einzug alle Universen (mit Ausnahme von U20) halten. Dass sich in der Community Widerstand dagegen regt, dass viele alteingesessene Spieler das neue Design für überflüssig halten, dass sich die aktiven Raider durch einige Änderungen benachteiligt fühlen, kann daran nichts ändern. "OGame Next Generation" ist nicht nur eine euphemistische Worthülse, es ist Programm. Durch das Redesign und einige andere Änderungen soll eine neue Generation von Spielern angesprochen werden, eine jüngere Generation, welche OGame wieder zum Aufschwung verhelfen soll. Die alten Spieler, welche OGame teilweise als ihr eigenes Spiel betrachten und die Entwicklung schon lange mitverfolgen, sind dabei nebensächlich. Ihre Zahl ist inzwischen zu gering geworden, zu viele sind gegangen oder werden dies bald tun - das Geld wird in Zukunft mit der neuen Generation verdient. Doch die Veränderungen in diese Richtung sind nicht auf die Grafik beschränkt und auch noch lange nicht abgeschlossen. Wohin die Reise geht, zeigen beispielsweise die spieltechnischen Änderungen, welche mit dem Redesign Einzug in OGame halten. Der anfängliche Spielaufbau wird durch Astrophysik und das neue Lagerbalancing verlangsamt, neue Spieler mit dem InGame-Tutorial auf den harten Alltag im Universum vorbereitet. Das Ziel ist klar: Neue Spieler sollen es einfacher haben und länger bei Laune gehalten werden. All die Spieler, welche bislang nach wenigen Tagen/Wochen ihren Account aufgaben, weil sie in der Statstik zu weit abgesackt waren, oder von anderen Spielern zur Farm erklärt wurden, sollen gestärkt werden um länger am Ball zu bleiben. Und es ist zu erwarten, dass dies nicht die letzten Neuerungen sein werden, welche in diese Kerbe schlagen. Denn auch nach diesen Änderungen ist das Gefälle im Universum noch immer zu stark, der Spielspaß für die kleineren Spieler noch immer zu gering. Damit diese nicht mehr so schnell demotiviert die Segel streichen, könnte man beispielsweise Farmangriffe unterbinden oder mittelstarke Spieler stärken, indem Flottenkills weniger lukrativ werden. Vielleicht wird das Saven, welches durch die Abschaffung der Geisterplaneten bereits enorm vereinfach wurde, noch sicherer gemacht – oder es gibt gleich einen Flottenbunker, in welchem man seine Schiffe über Nacht schützen kann. Ein Blick auf andere Spiele zeigt, dass solche Features schon lange mit Erfolg eingesetzt werden. Wie genau die Pläne der Gameforge AG in diesem Punkt aussehen, ist bislang nicht bekannt, doch soviel steht fest: Das Konzept von OGame muss sich ändern und es wird sich auch ändern. Unter diesen Änderungen leidet eine Gruppe von Spielern besonders: Die erfahrenen und erfolgreichen Flottenspieler, welche OGame seit langem spielen und alle Tricks und Kniffe beherrschen. Mit ihnen werden viele der aktivsten Spieler aus der Community gedrängt, viele Universen verlieren ihre "Helden" - Spieler, zu welchen der durchschnittliche Gamer aufblicken konnte. Doch warum lastet die Gameforge gerade dieser Gruppe, welche das Spiel über Jahre geprägt hat, so viel auf? Der Grund dafür ist einfach: Sie sind der Motor des Universensterbens. Bedingt durch die Konzeption OGames als Endlosspiel in Verbindung damit, dass schwache Spieler durch Angriffe übermäßig stärkerer Spieler oft im Aufbau zurückgeworfen und dadurch demotiviert werden, sind sie es, die uns die heutigen Userzahlen beschert haben. Tausende von Spielern, welche OGame für sich entdeckt hatten, verschwanden irgendwann entnervt in der Inaktivität, weil sie ständig angegriffen wurden oder weil ihre mühsam aufgebaute Flotte vernichtet wurde. Gleichzeitig waren die Tops so erfolgreich, dass der große Rückstand in der Statistik jedem Neuling klar vor Augen führte, dass er hier kaum eine Chance hat, oben mit zu spielen. Die Spieler selbst trifft dabei jedoch keine Schuld, sie haben lediglich das Spiel so gespielt, wie es in den vergangenen Jahren von allen verstanden wurde. Doch dieses alte OGame ist bald Geschichte. Das OGame der neuen Generation ist einfacher, netter, und dadurch ansprechender für die breite Masse und Gelegenheitsspieler. An die Stelle der kleinen Elite, welche bislang ein Universum beherrscht, soll ein ganzes Universum voller Gewinner treten. Ein ganzes Universum voller glücklicher Spieler, welche Spaß haben, Erfolge feiern und natürlich Geld in Dunkle Materie investieren. Wie viel dieses Spiel dann am Ende noch mit dem OGame gemeinsam hat, welches wir seit Jahren spielen, muss die Zeit zeigen. Auf jeden Fall ist es der einzige Weg, wie OGame wieder aus dem Tal der Bedeutungslosigkeit heraus kommen kann. Doch was bedeutet dies nun für die Spieler, die sich derzeit um ihr Spiel beraubt sehen? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gameforge den eingeschlagenen Kurs wieder revidiert, ist verschwindend gering. Daran können weder Petitionen, noch Proteste im Forum oder IRC etwas ändern. OGame befindet sich momentan auf dem Weg in die Zukunft – da kann es keine Rücksicht auf Spieler nehmen, welche den Status Quo erhalten wollen. Anpassen oder gehen – das ist die Wahl, vor der man als alteingesessener Spieler derzeit steht. Und diese Wahl muss jeder für sich selbst treffen.
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